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Das Desktop Wunder Teil 2 – Xubuntu-Linux verfeinern

Eines der Hauptprobleme an Linux sind die vielen Möglichkeiten …

Während es unter anderen Betriebssystemen eher schwierig ist, freie Software zu finden, die eine spezielle Aufgabe zu lösen vermag, ist unter Linux eher die Schwierigkeit, sich entscheiden zu müssen, wie diese Aufgabe gelöst werden soll. Für Einsteiger, die eine schnelle Orientierung haben wollen, möchte ich eine kleine Liste vorstellen, wie ich meine Linux/Xubuntu-Installation verfeinert habe.

Meine bevorzugte Software ist zum großen Teil bereits in der Anfangsinstallation vorhanden. Darunter fällt neben GIMP und Thunderbird auch Firefox. Bei letzterem fehlen mir nur ein paar Plugins (wie NoScriptmit diesen Einstellungen – und für eine kleine zusätzliche Anonymisierung: User Agent Switcher). Daneben nutze ich – allerdings nur für videophonie oder gmail/google+/gtalk/google hangout/voice (=Skype-Ersatz), also als eine Art Google-Desktop-App – Chromium (Chrome) mit speziellen Javascript und Datenschutzeinstellungen. (Sollte die webcam nicht funktionieren / nicht erkannt werden, hilft evtl. der gleiche Trick wie bei jitsi – s.u. – „LD_PRELOAD=/usr/lib/i386-linux-gnu/libv4l/v4l2convert.so chromium-browser“)
Über das Software-Center oder entsprechende Internetseiten ergänzte ich:

  • LibreOffice (bzw. OpenOffice) für die ganzen Office Sachen die ich so bekomme (z.B. Word-Dokumente und Excel-Dateien) aber z.B. auch um PDFs zu bearbeiten oder mal schnell alte dBASE-Datenbanken anzuschauen oder …
  • AutoKey ist eine sehr praktische Tipp-Unterstützung viel benutzter Floskeln
  • VLC Media Player als möglichst-alles-Medienabspieler
  • Mittlerweile nutze ich als speziellen mp3-Player meistens Clementine, das aber leider die Albumcover nicht direkt in den Dateien ersetzt, sondern als zusätzliche Dateien im .config abspeichert.
    (Ansonsten: Guayadeque mit einer übersichtlichen Bibliothek, schnellen Suche und netter Crossfading-Funktion, die allerdings die letzten ca. 3 Sekunden des Liedes abschneidet. Über ein paar Skriptdateien ist es auch über meine Multimedia-Tastatur zu steuern…)
  • puddletag und MusicBrainz Picard bewähren sich immer mehr als mp3-tagger inklusive erster Albumart/Cover-Abfrage und
  • XCFA mit den entsprechenden Zusatzmodulen als CD-ripper
  • Stellarium als Planetarium / Astronomie-Programm (mit babylonischer Sternkarte ;-)
  • Tuxguitar mit fluidsynth / fluid-soundfont um weiter Mandoline / Gitarre / Bass lernen bzw. mitspielen zu können (und MIDI sowie diverse Gitarren-Dateien wie z.B. PowerTab und GuitarPro nutzen zu können)
  • DeVeDe um DVD-isos zu erzeugen
  • HandBrake (hier) um (z.B. automatisiert mehrere) Videos zu wandeln um sie leichter vom USB-Stick am Fernseher anschauen zu können
  • BlueGriffon (hier) um auf die schnelle (WYSIWYG-mäßig) kleine Fehler in HTML-Seiten zu ändern
  • FreeMind (oder die Weiterentwicklung FreePlane) – das Mindmap-Programm das mich schon seit Jahren begleitet,
  • genauso wie Zettelkasten (hier) um weitere kurze Gedanken zu sammeln
  • Als letztes habe ich den Orage-Kalender mit einem Skript, das automatisch beim einloggen gestartet wird, um meine Google-Kalender erweitert (wget -nH -rK https://googlecalendarurl -O /Ziel/Verzeichnis/DateiName.ics) und zusätzlich mit meinen Geburtstagen und Terminen aus LibreOffice/OpenOffice-Calc durch ein (erweitertes altes Makro von Uwe) per Calc/ods bzw. iCalendar/ical/ics-Datei gefüttert.

Darüber hinaus gefällt mir gThumb etwas besser als Ristretto als Bildbetrachter (bzw. als auch-mal-schnell-etwas-Änderer ;-), aber auch da gibt es ja noch weitere Möglichkeiten… (Wer in wine ein zu hohes Sicherheitsrisiko sieht und eine (closed source)-IrfanView-Alternative sucht, kann es mal mit dem heruntergeladenen debian-Paket von XnViewMP (hier) versuchen.)

  • Jitsi (hier) gefällt mir mit seiner Verschlüsselung und OTR-Funktion als weitere Skype-Alternative (statt der Chromium-Hangout Variante s.o.) recht gut. Die meisten Kameras lassen sich unter Linux wohl verwenden, wenn das Programm mit „LD_PRELOAD=/usr/lib/i386-linux-gnu/libv4l/v4l2convert.so jitsi“ bzw. über diese Datei neu gestartet wird. (Bei mir hat es mit einer LogiLink- und einer MS-Tech-webcam in jitsi 2.5.5065 funktioniert.)
  • Der bereits enthaltene Dateimanager Thunar mit seiner Möglichkeit der „Benutzerdefinierten Aktionen“ ist für mich einer der angenehmsten Xubuntu-Vorteile. Nur seine „alphabetische“ Sortierung passt nicht mit meiner Dateiorganisation zusammen. Bei mir haben die Dateien aus den verschiedenen Digitalkameras (und zu verschiedenen Zwecken, wie z.B. Monatsübersichten)  unterschiedlich lange Datumsangaben am Anfang des Dateinamens. Da diese allerdings als Zahlen statt als Ziffern interpretiert werden, ist meine ehemalige Sortierung dahin. Abhilfe schaffte dieses Skript, dass auf einen Rutsch alle Dateien mit beginnenden Ziffern auf 14 Stellen angleicht. (Innerhalb von XnViewMP lässt sich die Sortierung auch ohne Umbenennung umstellen.)

Insgesamt bin ich unglaublich zufrieden mit meiner jetzigen Xubuntu-Konfiguration. Allein die relativ einfachen und vielfältigen Möglichkeiten, die ein oder andere Sache noch etwas mehr nach meinen Wünschen erledigen zu können, bringen mir große Freude…

P.S. Evtl. teste ich eines Tages noch wine für alte Windows-Software wie IrfanView, aber zur Zeit erscheint mir das noch als unnötiges Sicherheitsrisiko, besonders bei den Alternativen (s.o.) …

(Für alle, denen ihr Windows mittlerweile zu langsam geworden ist, vorab ein Hinweis: Mein frisch gestartetes Xubuntu, mit zwei laufenden alten Windows-Programmen (als Beispiel PopTray und IrfanView) unter wine, belegt insgesamt nur ca. 0,19 GB RAM (in Worten: „Einhundertneunzig eMByte“ ;-) ). Auf der Festplatte belegt das System mit wine und allen oben erwähnten (und ein paar zusätzlichen) Programmen und Einstellungen nur ca. 5,5 GB…)

< Letztes Update mit Ergänzungen: 20141010 >

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Das Desktop Wunder Teil 1 – Welches Linux (Ubuntu?) darfs denn sein?

Auch wenn in herkömmlichen Medien äußert selten von Alternativen zu Microsoft/Windows bzw. Apple/Mac/iOS berichtet wird, gibt es wundersamer Weise doch eine Großzahl an ganz wunderbaren freien PC-Arbeitsflächen („Desktop“)…

Es gibt viele Gründe von Apple/Microsoft auf ein freies Betriebssystem umzusteigen. Bei mir stand im Vordergrund:

  1. Windows XP wurde nicht mehr unterstützt und ich war die X-te Neueinrichtung und Neuinstallation und neue Anpassung an meine Bedürfnisse und meine Arbeitsabläufe wirklich leid.
  2. Die Apple-Gängelungen waren mir zu massiv, zu teuer und die Einarbeitung in die Mac-OS-X-Besonderheiten zu anstrengend.
  3. Die halbgaren „Sicherheits-Tipps“ („Achten Sie auf einen aktuellen Virenschutz und eine Firewall“) haben mich genervt… Das Starten eines Live-Linux von einer externen DVD bringt mir einen so viel höheren Sicherheitsgewinn, dass ich natürlich das für das Online-banking genutzt habe. Dabei stellte sich mir die Frage, warum ich dieses schicke, ansprechende, unkommerzielle und kostenlose Linux nicht auch im Alltag einsetze.
  4. Mein Unix-Wissen, das ich seit meiner Zeit am MIT (1992) besitze, kann ich unter Linux auch heute noch nutzen, während ich gar nicht mehr weiß, wie oft ich von Microsoft und Apple schon zum umlernen gezwungen wurde.
  5. Als Informatiker habe ich gern ein System, dass ich an meine Bedürfnisse möglichst gut anpassen kann und dann nicht alle paar Jahre wieder erneut anpassen muss, nur um weiterhin die nötigen Sicherheitsupdates zu bekommen.
  6. Es ärgert mich, wenn mir ein Softwareunternehmen vorschreiben will, wann ich ein neues Betriebssystem kaufen und meinen alten Computer wegschmeißen soll und mir keine praktikable Möglichkeit gibt, dies zu verhindern.
  7. Ich helfe gerne und dabei unterstützt mich Freie Software optimal, während Microsoft und vor allem Apple es mir unnötig schwer machen.
  8. Wie beim Auto- oder Kleider-kauf habe ich gern eine bequeme Auswahl passend zu meinen individuellen Geschmack und meinen Interessen. Ich liebe große Speisekarten (wenn die Qualität stimmt ;-) …
  9. Ich steh auf die Philosophien der FSF.

Aus diesen Erwägungen heraus war schon mal klar, dass es ein GNU/Linux (und z.B. kein BSD) werden sollte, da es u.a. am wahrscheinlichsten bei möglichst vielen Personen läuft (Hardwareunterstützung).
Immer im Blick, wie ich mit meiner Systemwahl relativ unkompliziert evtl. auch andere unterstützen kann, hier kurz mein Blick auf verschiedene Linux-Grundgerüste:

  • Debian ist ein echtes Community Projekt das am weitesten verbreitet und mir am sympathischsten ist.
  • Fedora (war Red Hat)hängt irgendwie doch noch an einer kommerziellen Firma die sich mehr um Server als um Endnutzer kümmert und bietet keinen Langzeitsupport.
  • Suse hängt an einer kommerziellen Firma und hat mich schon Ende der 90er begleitet, ist mir allerdings nicht verbreitet genug.
  • Mandriva hängt an einer kommerziellen Firma, hat mir eine zu kleine Verbreitung und ist mir zu Französisch. ;-)
  • Ubuntu hängt an einer kommerziellen Firma (mit teilweise umstrittenen Methoden), ist allerdings auf dem Desktop am häufigsten anzutreffen, basiert auf Debian und bietet in meinem Umfeld den höchsten Komfort.

Wer sich als Minderheit immer ein wenig verlassen fühlt, kommt wohl in den meisten Fällen an Ubuntu kaum vorbei. So wäre rein für mich die Wahl klar auf Debian gefallen, im Hinblick auf die Vorlieben der Freunde, deren Rechner ich ebenfalls umstellen soll, habe ich mich nun allerdings vorerst auch für eine Ubuntu-Basis (und damit nur indirekt für Debian) entschieden. Durch mehrere umstrittene Entscheidungen der Firma hinter Ubuntu (z.B. hier, hier, hier), kann es sein, dass ich das 2014/2015 revidiere und dann doch direkt zu Debian wechsle, bin aber noch zuversichtlich, dass dies in den Geschmacksrichtungen die ich gewählt habe nicht nötig wird. Denn die Wahl der Basis ist eine Sache, aber auf diese Fundamente setzen nun noch diverse Oberflächen auf, die wiederum mehr oder weniger individuell gestaltet werden können, z.B.

  • eher Windows ähnlich:
    KDE (sehr schick und komfortabel) = Kubuntu,
    Xfce (etwas schlichter) = Xubuntu,
    LXDE (mit geringerem Funktionsumfang und für ältere Rechner) = Lubuntu
  • eher Mac ähnlich:
    Gnome Shell (Community Projekt), Unity (Firmen Projekt = Ubuntu)

Es ist relativ leicht, mit den Live-CD/DVDs (bzw. vom USB-Stick) zu testen, welches System wie auf welchem Rechner läuft und erst mal grundsätzlich dem persönlichen Geschmack am nächsten kommt. In gewissem Rahmen lässt sich so auch die Bedienung des Systems und mögliche Anpassungen ausprobieren. Einzig die Geschwindigkeit und etwas verzögerte Reaktionen darf man nicht zu ernst nehmen, wenn man von CD/DVD gestartet hat, da dies am Laufwerk und nicht am Linux liegt.
An dieser Stelle soll jedoch nicht vergessen werden zu erwähnen, dass sich die Oberfläche in gewissem Rahmen auch noch nachträglich ändern bzw. parallel dazu auch noch eine zweite oder dritte einsetzen lässt. So können Personen, die sich einen Rechner teilen, ihre individuelle Oberfläche nutzen (z.B. Unity und Xfce), oder bei der Passworteingabe entscheiden, welche Oberfläche sie für dieses mal nutzen möchten.  Wenn dies zu erwarten steht, würde ich empfehlen mit dem eigentlichen Ubuntu (Unity) anzufangen und die anderen Oberflächen nach Bedarf nach zu rüsten. (Dann aber auf jeden Fall mal hier vorbei schauen.)

Das vorläufige Ergebnis mit der aktuellen Rechner-Situation: überwiegend Xubuntu, einmal Ubuntu (Unity) und einmal Lubuntu. Leider hat die aktuelle Version von Xubuntu gleich ein paar nervige Bugs, so dass ich dies zur Zeit Anfängern, die nicht so gern an ihrem Betriebssystem rumbasteln wollen, eher nicht empfehlen kann. Wer nicht von XP vor April umsteigen muss, kann die Sache dann gemütlich angehen lassen und auf die nächste K/X/L/ubuntu Version im April 2014 warten. Wer dann die Bergziege „Trusty Tahr 14.04“ installiert genießt eine LTS-Version mit Updates bis 2019 …

Ausprobieren lohnt sich! (Und vor allem mal hier bzw. hier vorbei zu schauen … ;-)