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Ökologische Lebensmittel (Grundwissen einfach erklärt)

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Wie immer gilt: „Gut“ ist gut genug und „Perfekt“ nicht erstrebenswert. Außerdem ist jeder Mensch für sich und sein Handeln selbst verantwortlich und muss in diesem Rahmen die Entscheidungen möglichst kompetent selbst treffen können. Eine Grundlage ist daher Risikokompetenz, andere grundsätzliche Aspekte versuche ich (auch) in diesem Blog kurz anzudeuten. (An anderer Stelle z.B. für Geschlechterfragen hier.)

Wann ist ein Lebensmittel ökologisch?

Um kompetente Entscheidungen im Rahmen seiner persönlichen Ökobilanz treffen zu können, sind folgende Fragen – immer im Hinblick auf Energieeinsatz, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen – zu stellen:

  1. Wie kam das Produkt bis an den Ort, an dem ich es verzehre?
    Es ist z.B. relevant, ob ich einen Apfel vom Baum zu Fuß nach Hause trage, oder mit einem großen Mercedes vom Supermarkt hole. Das heißt,
    ein LKW der große Mengen Obst- und Gemüse an einem zentralen Ort abliefert, von dem die Waren zu Fuß abgeholt werden, ist wesentlich ökologischer als viele PKW die kleine Mengen nach Hause fahren. D.h. z.B. auch, dass das Körbchen Erdbeeren, das ich mit meinem großen Mercedes direkt vom Stand am Feld hole weniger ökologisch ist, als wenn ich das selbe Körbchen zu Fuß aus dem Supermarkt hole.
  2. Wo, wann und wie wurde das Produkt hergestellt? Was ist zusätzlich dazu nötig?
    Es ist ein Unterschied, ob ich mir im Winter auf meinem als Heizung dienenden Holzofen Maroni brate, oder im Sommer eine Soße auf meinem Elektroherd „eindicke“ d.h. Flüssigkeit „herauskoche“…
    Die Entstehung von Fleisch braucht grundsätzlich mehr Ressourcen und führt zu einer höheren Umweltbelastung als saisonales heimisches Obst und Gemüse.
    Womit werden die Tiere gefüttert?
    Kuhmilch kann es regelmäßig nur geben, wenn es regelmäßig Kälber gibt …
  3. Wie kamen die Rohstoffe zum Produktionsort?
    Nicht immer ist der Produktionsort auch der Herkunftsort der Zutaten.
    So muss „Schwarzwälder Schinken“ nur im Schwarzwald „hergestellt“, geschnitten und verpackt sein. Das eigentliche Fleisch kommt jedoch in den überwiegenden Fällen nicht aus dem Schwarzwald.
  4. Wo, wann und wie wurden die Rohstoffe produziert? Bzw. wo und wie wurden diese gelagert?
    In diesem Schritt hilft es, sich die natürliche Entstehung des Lebensmittels unter den optimalen natürlichen Bedingungen (ohne Optimierung durch den Menschen) anzuschauen. Jede „Verbesserung“ bzw. Änderung dieser Bedingungen durch den Menschen ist automatisch erstmal ein zusätzlicher Ressourceneinsatz.
    Dazu zählt Düngung (mit der Herstellung des Düngers!) ebenso, wie der Bau von Gewächshäusern, künstlicher Bewässerung, „Unkrautvernichtung“ (und der evtl. Herstellung der Mittel dazu), Terrassierung z.B. für den Weinbau, Kühlräume, Transport uvm.
    In Deutschland ist Apfelernte z.B. grob zwischen Juli und Oktober. D.h. für einen Konsum zu anderen Zeiten müssen Äpfel also mehr oder weniger aufwändig gelagert oder von der anderen Seite der Erde hier her transportiert werden.
  5. In diesem Zusammenhang stellt sich u.A. die Frage nach den klimatischen Bedingungen vor Ort.
    So sind als Faustregel die Jahreszeiten auf der Süd-Halbkugel quasi vertauscht (hier Winter=dort Sommer) und am Äquator eher immer Sommer. Allerdings führen auch dort unterschiedliche Gegebenheiten (z.B. Berge, Regenzeiten, …) zu unterschiedlichen Wachstumsbedingungen…
  6. Gibt es durch die kurzfristig belastenden Eingriffe langfristig (relevante?) positive Effekte?
    Es können z.B. durch eine Umgestaltung neue Lebensräume, energieeffizientere Erntemöglichkeiten oder gesündere Arbeitsbedingungen entstehen.

Je nach Betrachtungsweise kann es daher in Deutschland gut sein, dass im Mai ein mit dem (alten) Fahrrad vom (Groß-)Händler geholter „Bio“-Apfel aus Argentinien im Endeffekt wesentlich ökologischer „ist“, als ein gespritzter Bodensee-Apfel, den ich mit meinem schnellen BMW am Bodensee abgeholt habe.
Wobei sich zu erst die Frage stellen sollte, warum in der heutigen Zeit unbedingt im Mai ein Apfel gegessen werden muss…

Fazit

Die vielen Fragen zeigen, dass es viele Stellen gibt, an denen die ökologische Verträglichkeit verbessert werden kann. So gibt es für jeden fast ebenso viele Möglichkeiten durch Beachtung einzelner Bereiche bereits ökologischer zu essen bzw. zu handeln.
Und das fängt schon bei der Entscheidung, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses Produkt ist, an … ;-)

Was ist der Unterschied zwischen ökologisch und „biologisch“?

Oder: Ist „bio“ immer auch „öko“?

Nein, natürlich nicht. Wer jetzt noch die Frage stellt, ob irgend etwas „immer“ ökologisch ist, hat wohl den oberen Teil übersprungen… ;-) „Biologisch“ (zertifiziert) sagt nur etwas über die Produktionsbedingungen aus und damit z.B. nicht über Umweltbelastungen durch Transport oder Lagerung. Mit „Bio-Produkten“ lässt sich damit i.d.R. die Entscheidung im Produktionsbereich des Fragenkatalogs (s.o.) erleichtern, im Gesamten aber die persönliche Entscheidung z.B. über die Notwendigkeit, den Zeitpunkt, den Händler und den Transport nach Hause nicht erledigen.

Nicht vergessen:

Es muss nicht alles perfekt sein. Jede einzelne der obigen Fragen birgt eine Chance zur Verbesserung und „auch kleine Tropfen füllen einen Topf“ … ;-)

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